Oktober 06, 2008

Jakarta im Ausnahmezustand

Die letzte Woche war es in Bali voll wie selten - obwohl die Reiseführer immer schreiben im Oktober wäre hier nichts los. Aber das stimmt wie so vieles, was in diesen häufig voneinander abgeschriebenen Heftchen zum Glück nicht - bestimmt nicht für dieses Jahr, und bestimmt nicht für Ubud. Hier wirft das 5. Ubud Literaturfestival vom 14-19. Oktober immer deutlicher seine Schatten voraus. Auch Ulla Neumann ist mittlerweile hier angekommen und kann uns auch erklären, warum Balis bessere Unterkünfte in der letzten Woche fast alle ausgebucht waren.
Jakarta - from Wikipedia

Wer Jakarta ohne Stau und Smog, unter einem blauen Himmel erleben möchte, muss zu Idul Fitri hinreisen. Idul Fitri ist das Fest zum Ramadan Ende. Geschätzt wird, dass 1/3 der Einwohner in Ferien sind. Aber wenn ich an die Beschreibung der sonstigen Verkehrsdichte denke, sind höchstens noch 10 % der Einwohner anwesend. Ein grosser Teil war auf Bali mit samt ihren Fortbewegungsmitteln, manche wohl sogar mit ihren Mopeds. Am Abend fuhren in Jakarta kaum noch Autos auf der doppelspurigen Strasse vor meinem Hotel. Mein Zimmer war im zehnten Stock und ich schaute auf Palmen, die den Mittelstreifen zierten. Sie waren mit bunten Lichtersymbolen geschmückt, wie die Strassenlaternen an Weihnachten in Südfrankreich.

In der "Jakarta Post" las ich dann auch auf Seite sechs einen Artikel über die Ähnlichkeit von Idul Fitri und Weihnachten, was sich nicht nur auf den Verkehr bezog. In diesem Artikel wurde auch ein Zitat von Mustafa Bisri gedruckt: "Die wachsende Zahl von Moscheen wird parallel begleitet vom Wachsen der Korruptionsfälle." Irgendwie habe ich mir Jakarta anders vorgestellt, vor allem war ich überrascht, dass dieses Zitat gedruckt wurde.
Von Wikipedia hatte ich 20 Seiten Information ausgedruckt. Es gibt leider dort aber keinen speziellen Reiseführer für Jakarta. Dabei hat die Stadt einiges zu bieten, vor allem an Idul Fitri. Die Geschäfte sind geschlossen, aber die Museen geöffnet und die Strassen sind leer. Mein Fahrer konnte es selbst kaum fassen, wie schnell er von einem Ort zum andern kam. Zum Beispiel nach Old Batavia.
Stadhuis Batavia, Jakarta - heute historisches MuseumDas alte von den Holländern erbaute Rathaus mit seinen Verliessen, in denen immer noch die alten schweren Eisenkugeln liegen, an denen früher die Gefangenen angekettet waren und auch gestorben sind. Ich hatte Gänsehaut.
Der alte Hafen, der 1527 eröffnet wurde, er liegt heute immer noch voller Schiffe, die vermutlich genau so aussehen und auch immer noch so gebaut werden wie damals. Ich erinnerte mich an das Fernweh, das ich bereits als Kind in der Schule hatte, wenn von Batavia gesprochen wurde.
Und dann stand ich wirklich 55 Jahre später an diesem Ort und er gehörte mir einen Moment allein. Auf dem kilometerlangen Kai war niemand ausser mir und meinem Reiseführer. Sicher mehr als 100 bunte, riesige, verwitterte Holzschiffe ankerten in dem alten Hafen. Sie hatten zum Teil Aufbauten von der Grösse eines Hauses mit geschnitzten und verzierten Fenstern im arabischen Stil. Allein dieser Moment war der Abstecher nach Jakarta wert. Ich kann nur empfehlen, auf nach Jakarta, aber wenn möglich nur an Idul Fitri.

Sampai jumpa lagi Ulla

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