Oktober 01, 2007

Leben als Hund in Bali

Letzte Nacht hatte ich wieder eine Begegnung mit dem schwarzen Hund, der schon einmal mein Begleiter war. Er stupste mit seiner kalten, feuchten Schnauze mehrmals gegen meine Wade. Ich verstand nicht was er von mir wollte. Es war unheimlich, denn es war dunkel und ich lag in meinem Bett. Als ich endlich den Lichtschalter gefunden hatte, war kein Hund im Zimmer.
Vor einigen Jahren hatte ich hier in Ubud eine Bestellung bei Kunsthandwerkern aufgegeben und musste deshalb eine größere Summe Geld wechseln. Es waren damals so viele Millionen, dass ich eine Plastiktüte benötigte, damit ich den riesigen Stapel Geldscheine wegtragen konnte.

Als ich die Wechselstube verließ, erwartete mich ein schwarzer Hund. Er folgte mir. Ich versuchte ihn zu ignorieren. Aber er begleitete mich unverdrossen und blieb an meiner Seite. Manchmal lief er ein paar Schritte voraus, lies mich dabei aber nicht aus den Augen. Es war als ob er sagen wollte: Wer mit soviel Geld durch den Monkey Forest läuft braucht einen Aufpasser. Als er bei der Hoteleinfahrt immer noch dicht an meiner Seite war und keine Anstalten machte sich von mir zu trennen, ging ich in das nächste Restaurant und kaufte eine Portion gekochten Reis. Während der Hund hinter einer Mauer fraß, stahl ich mich davon und verschwand in meinem Hotel. Ich vergaß den schwarzen Hund, bis ich mich gestern mit einem jungen Balinesen unterhielt. Er erklärte mir: Die erste Stufe des Lebens findet in der Pflanzenwelt statt, die zweite Stufe in der Tierwelt und erst nach Durchlaufen dieser zwei Stufen, wird man als Mensch geboren. Führt man als Mensch ein schlechtes Leben, muss man wieder zurück und die früheren Lebensformen nochmals durchschreiten.
Da fiel mir mein alter Begleiter wieder ein. War er in seinem früheren Leben ein Bankräuber gewesen und deshalb eine Stufe zurückgefallen? Warnung an alle Diebe: Das Leben als Hund in Bali ist kein Vergnügen!
Wollte er etwas Gutes tun, oder hätte er gerne wieder geräubert? Und warum fühlte ich so real seine Schnauze an meiner Wade? Mir scheint, ich bin nicht nur auf Bali angekommen, sondern fange bereits an in die Welt der Geister und Dämonen einzutauchen.
Also sampai jumpa lagi, wo auch immer.

1 Kommentar:

Roland hat gesagt…

Ich erinnere mich gerade and die Zeit vor 10-12 Jahren als in Ubud noch Scharen von wirklich sehr verwahrlosten Hunden umherstreiften.
Übel zugerichtete Hunde die in Vollmondnächten ein unbeschreibliches Heulkonzert anstimmten. Wo sind diese Hunde abgeblieben ? Sind die Balinesen anständiger geworden so daß viel weniger Menschen in eine niedrige Position hineingeboren werden ? Ich erinnere mich an einen kurzharigen Hund der auf seiner linken Seite im traditionellen balinesischen Stil mit irgend einer Art Farbe "ornamentiert" war und auf der anderen mit dem Schriftzug "Fuck you" beschrieben war. Ältere Touristen fanden das Hündchen so süß bis er sich umdrehte und der Schriftzug zu sehen war, was den Touris das Entsetzten in das Gesicht trieb ! War der Hund in seinem vorherigen Leben wohl ein Diener aus dem Rotlichtbezirk ?