Oktober 04, 2007

Hilfsverein für indonesische Kinder


Sensible Menschen fühlen, und für jeden Besucher sind die zwei Gesichtern Balis unschwer zu sehen: Unweit der touristischen Zentren herrscht häufig bittere Armut. Den öffentlichen Schulen fehlt es an Ressourcen, den Kindern fehlt es an Schulbildung. Während die Kinder von Expats hier gut versorgt werden, gegen Schulgebühren versteht sich, sieht es auf der anderen Seite nicht so rosig aus. Die Welt berichtet über eine Initiative der deutschen Nordakademie-Studenten Robin Schwiderski aus Hamburg und Patrick Gehl aus Elmshorn, die während ihres Auslandssemesters an der Udayana-Universität in Denpasar studiert haben.

Um den Kindern vor Ort ein besseres Leben zu ermöglichen, gründeten sie mit einer Gruppe deutscher Auslandsstudenten den wohltätigen Verein "Education for Indonesia e.V.". "Als wir in Indonesien ankamen, ist uns schlagartig bewusst geworden, dass es ein Dritte-Welt-Land ist. Häuser stehen auf Müllkippen, Kinder spielen barfuß auf Müllbergen", sagt der 29-jährige Schwiderski, der Vorsitzende des Vereins. Mit Mofa, Bus und Bahn haben er und der 23-jährige Gehl das Land erkundet - und abseits der Zentren mehr vom Alltag und den Problemen der Indonesier erfahren, als die meisten Asien-Touristen je sehen werden und vielleicht auch sehen wollen.

Die Armut sei "ein Schock" gewesen, sagt Schwiderski. So reifte bei den Auslandsstudenten der Udayana-Universität schnell der Entschluss, einen kleinen Teil dazu beizutragen, die Not zu lindern. Der Schulbesuch in Indonesien ist zwar kostenlos. Allerdings müssen die Kinder eine Schuluniform tragen. Diese kostet umgerechnet 3,80 Euro. Geld, das viele Familien nicht aufbringen können. Und so bleiben die Jugendlichen auf der Straße, ohne jemals lesen, schreiben oder rechnen zu lernen. "Es ist paradox", sagt Patrick Gehl. "Mit einer für unsere Verhältnisse so kleinen Summe wird den Kindern die Zukunft verbaut."Wenn die angehende Lehrerin Christine Trepkau aus Flensburg an ihren Aufenthalt in Indonesien zurückdenkt, weiß sie das deutsche Schulsystem erst richtig zu schätzen. Eine Schule ohne Dach, Klassen mit 40 bis 50 Kindern - in entlegenen Regionen auf Java und Bali ist das keine Seltenheit. "Da ich selbst mit dem Schulwesen zu tun habe, stand für mich sofort fest mitzuhelfen", sagt die 23-Jährige. Noch vor Ort organisierten die Studenten Veranstaltungen, um Geld für die gute Sache zu sammeln. An zwei Schulen auf Java konnten sie bereits Schuluniformen an Kinder aus armen Familien übergeben. Landesweit berichteten Fernsehsender und Zeitungen wie die renommierte "Jakarta Post" über das ehrgeizige Projekt. Damit die Spenden nicht in dunklen Kanälen versickern können, kümmert sich Laura-Marie Schons vor Ort um die Verteilung. Die Bochumerin hat in Indonesien studiert, beherrscht die Sprache und schreibt derzeit ihre Diplomarbeit an der Udayana-Universität. Sie wird versuchen, die nächsten Auslandsstudenten für die ehrenamtliche Initiative zu begeistern. "Für uns allein wäre es gar nicht möglich gewesen, die Aktion zu starten", sagt Schwiderski. "Außerhalb der Touristenzentren sprechen die Leute kaum Englisch." Seit ihrer Rückkehr in die Heimat bemühen sich die beiden Nordakademie-Studenten als Vorsitzende des Vereins um Spendengelder - gemeinsam mit den im Bundesgebiet verstreuten Mitstreitern. "Es gehört sicher mehr dazu, als wir im ersten Augenblick gedacht haben", so Robin Schwiderski. Das Strahlen in den Gesichtern der indonesischen Mädchen und Jungen bei der Übergabe der ersten Schuluniformen ist den Studenten aber schon jetzt Lohn genug.

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