August 03, 2006

Cathay bietet Abenteuerreisen

Wie ich das nur vergessen konnte, so schießt es mir beim Anflug auf Hongkong durch den Kopf. Nicht nur das fast in jedem Juli/August diese Traum Stadt am Chinesischen Meer von Taifunen heimgesucht wird, nein kurz vor Abreise hatte ich auch noch von einem Freund eine Taifun Warn-SMS erhalten. Er hatte bereits gestern HGK, wie der Ort in der Flieger Sprache heißt, angesteuert - und der Pilot hat den Airbus nur mit Mühe auf die Landebahn aufsetzen können.

Heute, am Donnerstag, den 4. August sieht es nicht so gut aus. Unser australischer Pilot des Fluges CX282 muss den Landeversuch aufgeben. Er war dabei offensichtlich so angespannt, dass von seinem auch sonst nicht einfach zu verstehenden Slang nur noch höchstens jedes 4 Worte zu verstehen ist. Dass in dieser Situation nicht nur ich und meine Nachbarin unter seiner Kommunikationsunfähigkeit leiden wird mir endgültig klar, als mich selbst eine Stewardess nach dem Inhalt seiner letzten Ansage fragt. Wie zur Entschuldigung für ihren Kapitän hilft sie mir dafür aber dabei erstmal die vollen 'Kotz' Beutel meiner hübschen Nachbarin zu entsorgen...

Glücklicherweise versucht es der Pilot nicht noch ein zweites Mal zu landen, er steigert sich aber immerhin was seine Durchsagen angeht. In konzentrierter Form schafft er es fast 5 Sätze verständlich und vollständig vorzutragen: Statt HKG gibt es also heute Taipeh als nächstes Etappenziel. Der Rest ging dann wieder in seinem unverständlichen Slang Singsang unter, 'temperatures higher', verstehe ich gerade noch.


Dann wohl erstmal schön ins Hotel, vom langen Flug ausspannen und auf besseres Wetter für den Weiterflug warten - so denken wir uns. Doch leider wird daraus Nichts, als Erstes sollen wir erstmal fünf Stunden in großer Hitze auf dem Rollfeld zubringen dürfen, nur Fluggästen aus Taiwan wird es erlaubt das Flugzeug zu verlassen.

Langsam sickert durch, dass Cathay Pacific sehr schlecht auf diesen alljährlichen und gerade für heute voraus zu sehenden Notfall vorbereitet ist. Es gab hier in Taipeh nur genug Mitarbeiter für 10 gleichzeitig abzufertigende Flugzeuge, aber die Zentrale hat gleich 17 Riesenvögel von Hongkong nach Taipeh umgeleitet. Statt Hotel gibt es also für uns nach dem Brutofen Flugzeug erstmal eine Departure Lounge. Grelles Licht soll hier wohl für das fehlende Essen und Trinken und die schwindende Aussicht auf eine Dusche und ein Bett entschädigen. Aber zumindest gab es jetzt funktionierende Toiletten und wer wollte bekommt sogar eine Telefonkarte - allerdings gibt es für 170 Passagiere nur ein Telefon dafür.

Langsam beginnt es unter den Gestrandeten zu rumoren, insbesondere als wir bemerken, dass Passagiere mit Cathay Mitarbeiter Pass sich langsam beginnen abzusetzen. Also werden einige der Passagiere aktiv, drohen der einzigen anwesenden offiziellen Cathay Vertreterin sie als Geisel zu nehmen bis Essen, Trinken und die Aussicht auf ein Hotel gewährt würden - und endlich kommen die Dinge in Bewegung. Nach über 12 Stunden Taipeh können dann auch die letzten von uns um halb drei Uhr morgens ihr Haupt auf einem Hotelkissen ausruhen.

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