Dezember 14, 2004

Annemarie Kipar: Huldingung an die Batik

Wenn man eine Parallele ziehen möchte zwischen der deutschstämmigen Textilkünstlerin Annemarie Kipar und der Musikszene, ist ihr Part der, Neuauflagen von alten Songs zu machen.
Sie bekennt, dass es manchmal so aussieht, als ob sie alte Stoffe nähme und nur die Motive mit Perlen, Pailletten und Steinen hervorhebe. In einigen Fällen sei das auch so, wie bei einigen ihrer Arbeiten mit klassischen europäischen Wandteppichen, wo sie bloß die Umrisse hervorgehoben oder akzentuiert habe .In diesen Fällen ist sie so sorgsam, nicht zu signieren. „Der Stoff ist bereits so wunderschön, ich habe dazu nur einen kleinen Beitrag geleistet, ich sehe also nicht, warum ich meinen Namen darunter setzen sollte“, sagte Annemarie Kipar während der Ausstellung einer Kollektion von Wandbehängen, Kimonos und Bettdecken im Koi Restaurant & Galerie im Süden Jakartas.
Aber für die übrige Kollektion hat sie alte und neue Batiken zerschnitten und in Stücken neu zu Wandbehängen zusammengestellt und mit aufgenähten Perlen, Pailletten und Steinen verziert und somit neue Kunstwerke geschaffen. Ähnlich wie bei der Neuauflage von alten Musikstücken erfordert es einige Geschicklichkeit, nicht das Original zu zerstören. Frau Kipar ist dabei recht erfolgreich, die Schönheit der Batik hervorzuheben und ihr neue Dimensionen und Farben zu geben.
In Dresden geboren, verbrachte Frau Kipar einen großen Teil ihrer Zeit in San Francisco bis sie vor 12 Jahren nach Bali kam, um ein Buch zu schreiben. Das Buch ist bis jetzt noch nicht veröffentlicht, dafür hat sie sich in die Insel und die Batik verliebt und beschloss, diese mit ihrer Liebe zu Schmuck in einer Serie von Wandbehängen und Bettdecken zu verarbeiten.
Seitdem lebt Frau Kipar in Bali. „Ich brauche die balinesische Umgebung. Mein künstlerisches Temperament ist von Bali sehr berührt. Ich stecke Hals über Kopf in Batiken“, sagte Frau Kipar. Die meisten ihrer Arbeiten sind Einzelstücke.
Sie verarbeitet alte Batiken, die sie sowohl in Bali als auch in Pekalongan, Madura und Cirebon erstanden hat. Sie konstruiert den Rahmen und sucht aus ihrem großen Sortiment von Perlen, Kristallen und Halbedelsteinen aus aller Welt die passenden aus. Sie arbeitet auch mit feinen Ikat-Stoffen, „denn nur feiner Ikat ist gut genug, bestickt zu werden“.
Einer der Höhepunkte ihrer Ausstellung in der Koi Galerie ist ein Wandbehang, der aus fünf verschiedenen Ikat-Stoffen zusammengestellt wurde. Ein anderer ist eine Batik mit einem Vogelmotiv, mit aufgenähtem Flitterzeug, das einen dreidimensionalen Effekt erzeugt.
Gelegentlich restauriert sie auch verfallende alte Seide von klassischen chinesischen und europäischen Wandbehängen und entwickelte kürzlich auch ein Interesse an Chenille und Chintzstoffen aus Europa.
In ihrer Kollektion hat sie auch Kimonos und Jacken; einige sind aus alten Batiken gearbeitet und andere aus Pashmina, die sie auch mit Perlenmotiven bestickt hat.
Frau Kipar erzählt, sie sei auch gescholten worden, die Batik zu zerstören. „Ich zerstöre sie nicht, ich hebe sie hervor. Batik ist eine Kunstform, die so wahrgenommen werden sollte.“
Sie sagt, sie würde die Batik ehren und sei nicht interessiert, eigene Batiken zu machen.
„Die moderne Batik ist auch sehr interessant. Was (die in Bali ansässigen Designer) Milo und Iwan Tirta gemacht haben, ist spannend. Doch das ist nicht mein Interesse. Ich bin sehr beschäftigt mit dem, was ich tue und da gibt es noch eine Menge zu tun“ , sagt Frau Kipar, die noch bis Montag in Jakarta sein wird. Klassische alte Batik werde immer seltener, meinte Frau Kipar, wenn man bedenkt, dass bei Verbrennungszeremonien die Stoffe auch mit verbrannt werden.
Frau Kipar hat sowohl in Dresden wie auch in San Francisco und New York ausgestellt, doch sie möchte mehr in Indonesien ausstellen. „Es ist ihr Ding, es sollte von Indonesiern mehr geschätzt werden.“
Die Sammlung von Annemarie Kipars Arbeiten werden ausgestellt bis zum 7.1.05 im Koi Restaurant & Galerie, Jl. MahakamI/2, Kebayoran Baru, Jakarta Süd, Tel. 7222864

Dieser Artikel ist Orginal in der Jakarta Post vom 12. Dezember erschienen und von Gisela Rohde für Bali.de ins deutsche übertragen worden. Herzlichen Dank Gisela!

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