November 15, 2004

Ratu Pedanda

Milda Drüke, stellte gestern ihr neues Buch über das Leben des Hohepriesters Ratu Pedanda in der Ortsbücherei Flein vor. Die Heilbronner Stimme berichtet darüber in einer sehr informativen Rezension.

Die Begegnung mit Harmonie und Weisheit und den Menschen auf Bali lehrt sie Achtsamkeit, Vertrauen und Stille. Anzeigen in Zeitungen und Magazinen und in buchhändlerischen Streuprospekten Milda Drüke führt den Leser in eine für Menschen westlicher Kulturen fremde Welt: nach Bali in ein entlegenes Dorf zu Seiner Exzellenz Ratu Pedanda, einem alten Priester.

Als er ihr erlaubt, an seiner Seite zu leben, ihn zu begleiten, die Rituale und Zeremonien, die er vollzieht, zu fotografieren und zu beschreiben, überkommt sie, die ungläubige Europäerin, ein nie gekanntes Glücksgefühl. Wer ist dieser Priester, was verbindet sie mit ihm? Fasziniert von der Anmut und überwältigenden Schönheit der spirituellen Handlungen, dem berauschenden Licht, der Landschaft und den Menschen in ihren farbenfrohen Kleidern, empfindet sie die liebevolle Aufnahme durch Ratu Pedanda und seine Familie als eine heilsame Kraft.

Im Laufe der Monate kommt sie ihm immer näher, fühlt eine geheimnisvolle, unerklärliche Botschaft. Es wird ihr klar:Mit ihrem europäischen Denken kann sie diese Kultur und Spiritualität nicht verstehen – sie muss sich ganz intuitiv dem Geschehen öffnen. „Ich lebe von Augenblick zu Augenblick, schreibt sie. „Wieder kommt mir der Gedanke, mein unbeschwertes Verhalten gegenüber Ratu Pedanda entspreche nicht dem, was von einer erwachsenen Frau erwartet wird. Aber wer bestimmt eigentlich, was erwachsen ist?

Milda Drüke, Jahrgang 1949, bei der Vorstellung ihres Buches

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Heute fand ich in der Schwäbischen Zeitung folgenden Bericht:
RAVENSBURG (seg) Seit Tagen lächelte Ratu Pedanda aus den Schaufenstern von RavensBuch. Ratu Pedanda ist balinesischer Hohepriester. Milda Drüke hat ihm ihr neuestes Buch gewidmet. Jetzt las sie vor großem Publikum in RavensBuch.

Bali ist schön. Die Landschaft. Die Menschen. Die Reisfelder. Auch und vor allem Ratu Pedanda. Ein ruhiges Gesicht, leuchtend. Sie habe nur kurz bleiben wollen, sei auf dem Weg nach Papua-Neuguinea gewesen, wurde von einer Freundin in das Dorf Ratu Pedandas mitgenommen, nahm an einer Trauerzeremonie zu Ehren einer verstorbenen Hohepriesterin teil, und lebte anschließend ein Jahr lang in unmittelbarer Nähe Pedandas. Daraus ist ihr neues Buch entstanden.

Milda Drüke ist bekannt geworden durch ihr Buch über die Seenomaden Indonesiens. Sie war erfolgreiche Werbe-Frau, hat nach einer Sinnkrise das Werbe-Büro aufgelöst und vier Jahre lang die Welt umsegelt, ehe sie auszog, um nach dem sagenumwobenen Volk der Seenomaden zu suchen. Auch der Anlass des neuen Buchs war Fernweh und Neugier auf andere Lebensformen. Aber mit der Bekanntschaft des balinesischen Priesters Ratu Pedanda kam noch etwas dazu: das Gefühl einer überraschenden Verbundenheit, der sie in diesem Buch auf den Grund gehen wollte. Trotz des wachsenden Tourismus habe sich, so Drüke, an der traditionellen balinesischen Lebensweise nichts geändert. Alles sei Zeremonie, Dank an die Götter. Hähne schreien, Kreissägen kreischen, Fernseher laufen. Ratu Pedanda segnet und verteilt geweihtes Wasser auf Köpfe und Hände, es wird gelacht.

Das klang schön, fast ein wenig nach spirituellem Ethno-Kitsch. Die Verbindung von ethnologisch-interessiertem Blick und schwärmerischer Sympathie für den verehrten Ratu Pedanda schien streckenweise die Kritikfähigkeit der Autorin zu schwächen. So ließ Milda Drüke nicht nur den Glauben an Dämonen, Hölle, schwarze und weiße Magie unkommentiert, sondern auch das Feilen der oberen Zähne - eine Zeremonie, der sich alle erwachsenen Balinesen unterziehen müssen. In diesem symbolischen Akt werden die negativen Eigenschaften der Menschen "abgeschliffen".

Nein, sie verharmlose die problematischen Seiten der Gesellschaft keineswegs, sie sehe sehr wohl, dass vieles in Bali zwanghaft sei. Aber sie wolle nicht werten. Das habe sie von Ratu Pedanda gelernt. Er handle durch Nichthandeln, verzichte auf Urteile und Wertungen und gebe auf diese Weise Raum für Erfahrungen und Selbsterkenntnis. Ihrer Meinung nach die beste Art und Weise, die Eigenverantwortung der Menschen zu fördern. Fruchtbarer als Ermahnung und erhobener Zeigefinger.