Oktober 19, 2002

Weggehen? Das braucht mehr als einen Anschlag!

In der heutigen Welt finden wir ein Porträt eines der liebenswertesten Männer der deutschen 'Commune" in Bali. Doch das Geschäftsleben hier hat auch an ihm seine Spuren hinterlassen, es ist halt auch im Paradies in diesen Tagen nicht 'Alles Gold was glänzt':

"Bali ist schon anders", sagt der Deutsche Bernhard Muerköster und führt mit einer Selbstverständlichkeit durch die Pracht seiner Villen und Gärten, als sei es das Normalste der Welt, auf der Insel der Götter wie Gott zu leben.

Muerköster kam vor 25 Jahren nach Bali, als Pionier. "Hier hat man Möglichkeiten, von denen man in Deutschland träumt." Der Designer, der erst Schmuck und später Häuser entwarf, erfüllte sich diese Träume. Muerköster entwarf und baute das "Hotel Vila Lumbung" bei Seminyak, ein Juwel an Ästhetik: Natursteine, hohe Schwungdächer, türkisfarbener Pool und Lotusteiche mit Wassergeplätscher - doch keine Gäste. "Mit Hotels", sagt Muerköster achselzuckend, "ist auf Bali seit ein paar Jahren kein Geld mehr zu machen."

Tourismus ist Balis Leben. Doch dieser Lebensstrom versiegt. Man könnte reich sein auf Bali. Man besitzt Kultur und Land - und lebt in Symbiose mit den Ausländern. "Früher pflanzten die Balinesen Reis an, jetzt Ausländer", lautet ein geflügeltes Wort. "Man braucht uns Ausländer hier", sagt Muerköster. "Man pflegt uns."

Mührköster mit seiner Frau in einer der seltenen ruhigen Stunden an seinem Pool
Rund 1200 Deutsche leben auf Bali. Es reisen aber keine neuen Gäste nach, die goldene Symbiose zwischen Einheimischen und Touristen zerbricht...Und dass sich die Tragödie ausgerechnet auf Bali ereignen musste, auf der Insel der Tempel, das "muss uns erst recht überzeugen, dass es überall diese weichen Ziele gibt, dass die Tragödie jederzeit überall zuschlagen kann", sagt Muerköster. "Warum sich also auf kleine Dörfer in Deutschland zurückziehen?"

Muerköster erlebte viele Krisen auf Bali: 1997 die Asienkrise, 1998 Altdiktator Suhartos Sturz, später Unruhen auf Bali und der Nachbarsinsel Lombok, schließlich der Tourismuseinbruch nach dem 11. September. "Noch letzte Woche", sagt Muerköster, "saß ich mit Freunden zusammen. Wir dachten, eigentlich geht es mit den Geschäften wieder aufwärts." Doch weggehen wegen der Bomben? "Das braucht mehr als einen Anschlag", lacht er.

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