Januar 11, 2002

Balis Göttliche Küche

Im neuen Elle Bistro berichtet Barabara Schmidt über ihre traumhaften Erfahrungen bei einem Kochkurs in Bali.
Ein Segel- oder Tauchkurs, o.k. Von mir aus auch ein Malkurs in der freien Natur. Aber bitte doch kein Kochkurs! Ich jette doch nicht um den halben Globus in eines der letzten Paradiese dieser Welt, um mich freiwillig in eine Küche sperren zu lassen. Wenn ich im Urlaub eine Flasche Öl in die Hand nehme, dann steht der Sonnenschutzfaktor drauf und nicht ”extravergine”. ”Noch feiner”, meint Marc nach einem kurzen Blick auf mein Hackbrett, auf dem sich Knoblauch- und Schalottenwürfelchen, winzige Chili, Zitronengras- und Ingwerstückchen häufen. Also noch feiner. Nach ein paar Tagen Bali und ganz und gar beglückenden Erfahrungen in diversen Restaurants innerhalb und außerhalb des ”Four Seasons Resorts” stand für mich fest: Balinesisch könntest du bis ans Ende deiner Tage essen. Das Bouquet der Aromen, das dir vom Teller in die Nase steigt – die reinste Glücksdroge, die dir automatisch ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Die Anmut, mit der die Speisen auf dem Teller präsentiert werden: eine einzelne Blüte neben dem Dessert, eine Fruchtspalte, die optisch ein Eintopfgericht aufpeppt und seine Schärfe mildert – alles ganz nach meinem Geschmack. Ja, und dann hörte ich von der ”Cooking School” im Resort... Ein schicker neuer Bau, im Zentrum der Profiküche ein großzügiger Arbeitsbereich mit Herdplatten in regelmäßigen Abständen – von Innenarchitektin Hinke Zieck, einer Holländerin auf Bali, schon so geplant, dass jeder Teilnehmer wirklich zum Kochen kommt und nicht nur dem Meister zu- ‘ schaut, der am Herd vortanzt. Das Allerbeste für Spontis aber: So ein halbtägiger Kurs lässt sich kurz entschlossen vor Ort buchen. Mit etwa 100 US $ ist man dabei. Der Strand wird’s verkraften, wenn er mich mal einen Vormittag lang nicht sieht. Ein bisschen Öl in die Pfanne – nix ”extravergine”, ein gewöhnliches Pflanzenöl – und der bunte Gewürzmix für das Hähnchenhack wird darin unter Rühren erhitzt. Dieser Duft!
Four Seasons Resort: Auf dem Dach des elliptischen Hauptgebäudes glitzert ein Lotusblütenteich

Direkt aus der Pfanne könnte ich das Zeug löffeln. Das Beste: Al- le Zutaten kriege ich daheim ohne Proble-me. Tamarindensaft für den scharfen Fisch? ”Tomatensaft ist genauso gut”, Marc muss es wissen. Nach dem Dünsten der Gewürze fängt die eigentliche Arbeit an. Mit einem Stein werden sie auf einer Steinplatte zu einer Paste verrieben. Gutes Training für die Arme! Geht’s auch mit einem Pürierstab? Marc grinst. ”Geht schon, aber das ist nicht balinesisch! Außerdem entwickeln sich die Aromen so besser.” Der Rest ist ein Kinderspiel. Die Paste mit dem Hack mischen, hühnereigroße Stücke formen, frisches Zitronengras als Spieße hineinstecken. Nun ab in den Ofen oder in die Pfanne. Der scharfe Fisch macht noch weniger Arbeit. Ein super Gericht für viele Gäste. Die vorbereiteten Fischpäckchen wandern vom Kühlschrank direkt in den Ofen. Beim Servieren wer- den sie halb ausgewickelt – schaut unglaublich professionell und raffiniert aus. Und kann gar nicht schief gehen. Dass ich an diesem Tag die einzige Schülerin war, hatte seinen Grund: Offiziell war die ”Cooking School” noch gar nicht eröffnet! Deshalb auch der hektisch herbeigerufene Priester, der den Raum erstmal segnete, bevor wir loslegten. Ohne den Segen der Götter geht auf Bali gar nichts. Essen muss ich zum Glück nicht allein. Paulina kommt dazu, die hinreißende Koordinatorin der Kochschule, Marc hockt sich mit auf das Podest – und Jürgen, der Fotograf. Der entscheidet sofort: ”Dieser Fisch da ist schöner, den fotografiere ich.” Marc muss wirklich nur ganz kurz schlucken...

Keine Kommentare: