September 11, 2001

Bali Literatur: DER ZWEITE WELTKRIEG

Pramoedya Ananta Toer (geboren 1925 in Blora in Zentraljava), der bekannte indonesische Autor und Bürgerrechtler, verbrachte fast zwei Jahrzehnte als politischer Häftling in Gefängnissen und Lagern. Seine Werke sind im eigenen Land verboten, fanden aber in vielen Sprachen und Millionen Auflagenhöhe weltweit Verbreitung. Trotz Zensur ist er auch im eigenen Land einer der meistgelesenen Autoren. Der Roman »Spiel mit dem Leben« erzählt von drei jungen indonesischen Freunden, Offizieren der Widerstandsbewegung, die am Ende des Zweiten Weltkriegs in Konflikt mit den japanischen Besatzern beziehungsweise der von diesen rekrutierten einheimischen Keibodan-Miliz geraten.

"Als er hörte, wie die Pforte des Zaunes aufgetreten wurde, verstummte er. Acht Keibodan, bewaffnet mit spitz zulaufenden Bambusspeeren, kamen im Laufschritt über das Feld und auf die Hütte zu. Der Spieler schenkte ihnen lediglich einen flüchtigen Blick, bevor er sich wieder seinem Maiskolben widmete, den er mit solch großer Sorgfalt über dem Feuer wendete, als ginge ringsherum nichts Besonderes vor sich. Er griff sich einen der gar gerösteten, ein wenig angekohlten Maiskolben heraus, und begann in Eile, ihn zu essen. Die Gruppe der Keibodan-Männer baute sich nahe des Feuers vor ihm auf. Sie trugen schwarze Hosen und schwarze, kurze Hemden. Die Spitzen ihrer Bambus-speere, schwarz eingebrannt und mit Rizinusöl eingerieben, reflektierten den Feuerschein. Geduldig erhob sich der Spieler, ohne jedoch sein Kauen zu unterbrechen. Im Schein des Feuers blickte er in die grausamen Gesichter jener Männer. Der zuvorderst stehende Keibodan, seine braunen Gummistiefel wirkten im Dunkel der Nacht fast schwarz, herrschte ihn rauh an. »He, du! Wo steckt dein Sohn?« »Mein Sohn?« stellte sich der Spieler dumm. Und in seine Worte hinein legte er Überraschung, als er zaghaft nachfragte. »Mein Sohn? Was meint ihr?« Der zuvorderst stehende Keibodan warf den hinter ihm stehenden Männern einen Blick zu. Diese verstanden und gingen unverzüglich, um die Hütte zu durchsuchen. Der erste wandte sich erneut dem Spieler und ehemaligen Wedana zu. »He he, heraus damit! Wo ist dein Sohn? Versuch nicht, uns den Dummen vorzuspielen!« – »Wovon sprecht ihr?« »Von Shodantjo Hardo, dem Verräter an der japanischen Armee.«" Was soll ich dazu sagen? Seit einem halben Jahr habe ich keinen Kontakt mehr zu ihm gehabt«, antwortet der Spieler entschieden, Und höflich fragend fügte er an: »Gibt es Nachricht, daß mein Sohn sich hier in der Gegend um Blora aufhält?" Offenbar beschwichtigt reagierte der Keibodan auf die Nachfrage des Spielers eine Spur freundlicher. »Ja, es heißt, er halte sich hier in der Gegend auf. Uns wurde zugetragen, daß er gestern abend gegen acht Uhr gesehen worden ist."

Pramoedya Ananta Toer, Spiel mit dem Leben (1950), Übersetzt von Doris Jedamski und Thomas Rieger, Rowohlt, Reinbek 1990

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