Mai 24, 2010

Bali Hindu Tempel in Hamburg

Hamburger Bali Tempel
Der bundesweit erste balinesische Hindu-Tempel ist am 22. Mai 2010 in Hamburg eingeweiht worden.
Das Museum für Völkerkunde, schon häufiger durch seine Verbindungen zu Bali aufgefallen bietet direkt vor seinen Toren diesem ersten öffentlichen balinesischen Hindu Tempel auf deutschem Boden Heimstatt.
Die in Hamburg lebende Balinesin Juli Biesterfeld ließ den Tempel unter der Leitung von Nyoman Artana in ihrer Heimat anfertigen und finanzierte seine Verschiffung nach Hamburg.. mehr...

Oktober 16, 2008

Ubud Literatur Festival hat begonnen

Literaturfestival openingVor einer großen Anzahl von Ehrengästen hat das 5. Ubud Literaturfestival am 15. Oktober offiziell begonnen. Der neue Bali Governor I Made Mangku Pastika ließ es sich nicht nehmen den traditionellen Gongschlag zur Eröffnung selber auszuführen - und auch eine selber von ihm improvisierte rede in englisch vorzutragen, da die von seinen Redenschreibern vorbereitet Rede nur auf indonesisch vorlag. Dies wies schon auf ein immer wieder kritisch angemerktes Manko des Festivals hin: Simultane Übersetzungen zwischen indonesisch und englisch, ja vielleicht sogar in andere Weltsprachen ist bisher nicht vorgesehen - auch hier wird sich in der Zukunft hoffentlich noch einiges entwickeln. Ulla berichtet vom weiteren Verlauf des ersten Tages.Ubud Literaturfestival 2008
Zu meinem Bedauern fand die Fortsetzung der Eröffnungsfeier nicht, wie letztes Jahr auf der Bühne vor dem Tempel im Lotusteich, sondern im Pura Dalem etwas weiter westlich an der Hauptstraße statt. Jede Stufe des Treppenaufgangs war mit Blüten geschmückt. Ansonsten empfand ich den, von einem umfangreichen Programm begleiteten Abend, für deutsche Verhältnisse sehr exotisch.
Jamie James, in Bali lebender Schriftsteller, früherer Mitarbeiter des 'New Yorker' war der Moderator des Abends. Im ersten Beitrag sprach die Tochter von Sutan Takdir Alisjahbana über ihren Vater, einen literarischen Titan, der maßgeblich zur Verbreitung de indonesischen Sprache als Mittel zur Schaffung einer kulturellen Identität Indonesiens beigetragen hat. Obwohl er bereits 1994 gestorben ist, geht heute hier immer noch eine Faszination von seinem Namen aus. Genau wie von seiner bereits 70 jährigen Lieblings Tänzerin die als lebende Legende direkt im Anschluss an Tamalia Alisjahbana Vortrag tanzte. Der Applaus war dementsprechend.
Ubud Literaturfestival 2008
Der nächste Punkt des Abendprogramms war die Rede eines Reiseschriftstellers über die Verantwortung der Künstler beim Gestalten des Weltbildes. Kurz vorher hatten mich ein paar junge Frauen aus Jakarta angesprochen und wir verzogen uns auf den zweiten Schauplatz des Abends, der für eine spätere Performens im Garten aufgebaut war. Die im Medienbereich arbeitenden jungen Moslemfrauen versorgten mich mit Kuchen vom Büfett. Eine der jungen Frauen erzählte auch stolz, dass der Leiter des morgigen Forums ihr 'Big Boss' ist. Sie will ihn unbedingt auf mich vorbereiten. Mal sehen. Mein blaues Huhn fanden sie auf alle Fälle sehr lustig.

In der Zwischenzeit hatte ein Indonesischer Dichter seine Texte vorgetragen, die gleichzeitig in Englisch auf eine Leinwand übertragen werden sollten, was auch teilweise funktionierte. Auf dem späteren Schauplatz im Freien wurde beschlossen, dass aus beleuchtungstechnischen Gründen die Bühne mit der Zuschauerseite vertauscht werden sollte. Die Leute, die sich dort die Wartezeit mit Party verkürzten räumten eifrig um. Ich natürlich auch. Wir wanderten zur anderen Seite und fanden uns teilweise in frisch gemischten Gruppen wieder. Ich begab mich zum ersten Schauplatz zrück, die Mädels hielten meinen Platz frei.

Eine große Gruppe junger Männer und Frauen, Musiker und Sänger, brachten moderne, sehr ausdrucksstarke Lieder. Die Musik erinnerte mich an dramatische, spanische Musik, vielleicht weil sie von Gitarren begleitet wurde, was für Bali eher unüblich ist. Der nächste Programmpunkt wurde als Sommernachtstraum angekündigt. Das war es dann auch. Balis berühmter junger Tänzer Nyoman Sura und das Theater Angin, traten auf. Die Kostüme waren kaum beschreiblich zauberhaft und aufwendig, wie die Leistung der Tänzer und Tänzerinnen. Das Puplikum war begeistert.

Und dann fand zum Abschluss das Kontrastprogramm, es hätte nicht größer sein können, auf der zweiten Bühne statt. Eine, auf dem Land entdeckte Laienspielgruppe, spielte in einer Kulisse aus Zivilisationsmüll und Wellblechwand überzeugend und gelegentlich etwas derb aber lustig. Sie zeigten ihre Probleme, den Verlust ihres Landes, das sie für den Reisanbau benötigen und das immer mehr für Hotelanlagen und Touristenspielplätze verbraucht wird. Am Ende applaudierte, das doch zur Hälfte aus Touristen bestehende Publikum stehend. Es war ein wirklich ereignisreicher Abend.

Sampai jumpa lagi Ulla
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Oktober 13, 2008

Wayang Kulit

Wayang Kulit Jakarta
Ulla schaut sich in den verbleibenden zwei Tagen bis zur Eröffnung des Ubud Writer- und Readerfestivals um, und entdeckt auch bei ihrem zehnten Besuch in Bali noch Neues - und damit ist nicht unbedingt die Rolex Kopie gemeint, die sie gestern auf dem Markt erstanden hat. In ihrem heutigen Beitrag beschäftigt sie sich mit dem bekanntesten Wayang, dem Wayang Kulit. Mit Wayang werden in Indonesien Figuren bezeichnet, mit denen religiöse, traditionelle Puppenspiele durchgeführt werden. Ulla weiss darüber mehr zu erzählen - und ficht dabei ihre bekannten Kämpfe mit den Widrigkeiten des Lebens hier aus.

Beim Wayang Kulit werden Geschichten von Göttern und Dämonen, mit aus Leder geschnittenen und gestanzten Figuren, auf eine Leinwand gezaubert. Es sind eigentlich die Schatten der Stabfiguren, die uralte Mythen lebendig werden lassen und das normalerweise über Stunden hinweg. Alte Balinesen kennen sie alle auswendig.

Das Spiel wird von einem immer dramatischen Sprecher und lauter Musik von Bambusinstrumenten begleitet. Da ich bis jetzt die Befürchtung hatte, während einer der stundenlangen Vorstellungen einzunicken, was mir doch sehr unhöflich erscheint, habe ich mich trotz Neugier noch zu keinem Wayang Kulit getraut.

Wayang Kulit BaliIn Jakarta war ich im angeblich grössten Puppenmuseum. Es ist in Old Batavia am alten Rathaus, in einem mit holländischen Giebeln versehenen Kolonialgebäude untergebracht. Mir wurde dort, in Ermangelung weiterer Besucher, ausführlich erklärt und gezeigt, wie aufwendig die Stabpuppen hergestellt werden und das hat mich noch neugieriger gemacht.

In Ubud gibt es nun eine "vereinfachte" Vorstellung für Leute wie mich. Für umgerechnet vier Euro war ich dabei. Eine Extraerklärung bekamen die Zuschauer dazugeliefert.

Hinter einem weissen, glatt gespannten Tuch wurde eine Fackel angezündet. Als sie nach ca. 20 Minuten richtig kräftig brannte, begann das Spiel. Zuerst wurden die beteiligten Charaktere vorgestellt. Rechts waren die Bösen, links die Guten. Die Geschichte war von Anfang an klar. Gut gegen Böse und Gut gewinnt, aber erst nach einem sehr langen erbitterten, lauten Kampf, der sich gleichzeitig unter meinem Stuhl zwischen einem Schwarm Moskitos und meinen Beinen abspielte. Bei meinem persönlichen Kampf, trugen die Moskitos trotz Autan den Sieg davon. Ich flüchtete noch vor der Siegesfeier, in die, dem Theater angeschlossene Galerie. Ich sah mir dort zwar geschlagen, aber in Ruhe die Helden des Wayang Kulit nochmals in Ruhe an.
Sampai jumpa lagi Ulla

Das Wayamg Kulit wird in Ubud fast täglich aufgeführt, kann in besseren Unterkünften direkt bei der Rezeption gebucht werden und ist auch Bestandteil der Bali Rundreisen.
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Oktober 09, 2008

Von Drachen und Hexen

Ulla ist auf ihrer grossen Fahrt zum Ubud Literaturfestival in Bali angekommen - und lernt bald mehr über eine der großen Leidenschaften der Balinesen. Die Tradition des Drachenbaues und Fluges auf Bali geht weit in die Vergangenheit zurück und früher wurden Meinungsverschiedenheiten zwischen Dörfern auch mal mit Flugdrachenkämpfe ausgetragen. Sie mußten sich gegenseitig vom Himmel holen und das Dorf mit dem besseren Drachen hatte somit auch die besseren Argumente.
Auf grosser FahrtAuf Bali können Schiffe fliegen, Bali Drachfestival 2008

Die Götter von Java und Bali waren mir gewogen. Ich bin gesund und munter, im bis auf den letzten Platz besetzten Garuda-Flieger, in Denpasar gelandet.
Im Flughafen von Jakarta habe ich mich noch mit einer Flasche Gin (47,5 %) eingedeckt. Mein alte Flasche war dann doch zu Gunsten einiger Bücher in Deutschland geblieben. Ein Grund die Reise im nächsten Jahr wieder zu machen? Auf den Gin war ich dann auch gleich angewiesen. Und das, weil die Hexen in Bali kurze Beine haben und die Drachen scheinbar einen Motor.

Die unterste Stufe zu einem Familiensitz ist traditionell sehr hoch, weil eben Hexen kurze Beine haben und ihr Besuch nicht erwünscht ist. Ich ging auf solch einer Treppe nach unten und liess mich von der neuesten Drachengeneration, die mit brummendem Motor über mir am Himmel schwebte, ablenken. Die Hexenstufe hatte ich völlig vergessen. Das rächte sich. Ich verstauchte mir den Fuss und knallte mit dem Hinterteil auf die Steinstufe. Zum Glück nicht auf das Gesicht, wie im letzten Jahr.

Mit abwechselnd eisgekühlten Gin-Umschlägen und entspanntem Liegen im Pool, ging auch diese Nacht vorüber. Eine sanfte Reflexzonen-Massage mit Kräuter-Ölen brachte mich wieder auf die Beine. Ich glaube fast alle Balinesischen Frauen haben heilende Hände.

Ein junger begeisterter Drachenfan klärte mich über die scheinbar motorisierten Flugobjekte, die gelegentlich sehr zahlreich am Himmel flattern und knattern, auf. Die Geräusche werden durch Lederbänder verursacht. Je lauter sie sind, desto stolzer ist der Drachenbesitzer.
Im August war auf Bali ein Drachen-Festival. Der grösste Drachen, der daran teilnahm, hatte eine Spannweite von über fünf Meter. Sein Schwanz war zwischen 200 und 250 Meter lang. Es braucht enorm viel Geschicklichkeit einen solchen Drachen in die Luft zu bringen und dann dort zu bändigen und zu halten. Die Augen meines Aufklärers funkelten begeistert und er meinte, dass ich unbedingt nächstes Jahr zu diesem Festival nach Bali kommen müsste.
Für dieses Jahr habe ich mir vorgenommen besonders auf die Schlaglöcher auf Balis Strassen und Gehwegen zu achten und auf keinen Fall eine Hexenstufe zu übersehen.
Sampai jumpa lagi UllaDie roten Bullen
Die richtigen Farben und Symbolen spielen bei den Drachen eine grosse Rolle, wie auch heute noch bei diesem Bullen Drachen, gezeigt auf dem Sanur Drachenfestival 2008. Die roten Bullen sind das Symbol der Partei Megawati's, der Tochter des Staatsgründers Sukarno. Diese ist schon allein deshalb bei Wahlen in Bali schon fast unschlagbar, da Sukarno's Mutter Balinesin war und die frühere Präsidentin und im Frühjahr 2009 wieder kandidierende Megawati auch heute noch gelegentlich an Hinduzeremonien teilnimmt. Aber der gerade begonnene Präsidentschaftswahlkampf ist ein anderes Thema, auf das wir demnächst zurückkommen werden.

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Oktober 06, 2008

Jakarta im Ausnahmezustand

Die letzte Woche war es in Bali voll wie selten - obwohl die Reiseführer immer schreiben im Oktober wäre hier nichts los. Aber das stimmt wie so vieles, was in diesen häufig voneinander abgeschriebenen Heftchen zum Glück nicht - bestimmt nicht für dieses Jahr, und bestimmt nicht für Ubud. Hier wirft das 5. Ubud Literaturfestival vom 14-19. Oktober immer deutlicher seine Schatten voraus. Auch Ulla Neumann ist mittlerweile hier angekommen und kann uns auch erklären, warum Balis bessere Unterkünfte in der letzten Woche fast alle ausgebucht waren.
Jakarta - from Wikipedia

Wer Jakarta ohne Stau und Smog, unter einem blauen Himmel erleben möchte, muss zu Idul Fitri hinreisen. Idul Fitri ist das Fest zum Ramadan Ende. Geschätzt wird, dass 1/3 der Einwohner in Ferien sind. Aber wenn ich an die Beschreibung der sonstigen Verkehrsdichte denke, sind höchstens noch 10 % der Einwohner anwesend. Ein grosser Teil war auf Bali mit samt ihren Fortbewegungsmitteln, manche wohl sogar mit ihren Mopeds. Am Abend fuhren in Jakarta kaum noch Autos auf der doppelspurigen Strasse vor meinem Hotel. Mein Zimmer war im zehnten Stock und ich schaute auf Palmen, die den Mittelstreifen zierten. Sie waren mit bunten Lichtersymbolen geschmückt, wie die Strassenlaternen an Weihnachten in Südfrankreich.

In der "Jakarta Post" las ich dann auch auf Seite sechs einen Artikel über die Ähnlichkeit von Idul Fitri und Weihnachten, was sich nicht nur auf den Verkehr bezog. In diesem Artikel wurde auch ein Zitat von Mustafa Bisri gedruckt: "Die wachsende Zahl von Moscheen wird parallel begleitet vom Wachsen der Korruptionsfälle." Irgendwie habe ich mir Jakarta anders vorgestellt, vor allem war ich überrascht, dass dieses Zitat gedruckt wurde.
Von Wikipedia hatte ich 20 Seiten Information ausgedruckt. Es gibt leider dort aber keinen speziellen Reiseführer für Jakarta. Dabei hat die Stadt einiges zu bieten, vor allem an Idul Fitri. Die Geschäfte sind geschlossen, aber die Museen geöffnet und die Strassen sind leer. Mein Fahrer konnte es selbst kaum fassen, wie schnell er von einem Ort zum andern kam. Zum Beispiel nach Old Batavia.
Stadhuis Batavia, Jakarta - heute historisches MuseumDas alte von den Holländern erbaute Rathaus mit seinen Verliessen, in denen immer noch die alten schweren Eisenkugeln liegen, an denen früher die Gefangenen angekettet waren und auch gestorben sind. Ich hatte Gänsehaut.
Der alte Hafen, der 1527 eröffnet wurde, er liegt heute immer noch voller Schiffe, die vermutlich genau so aussehen und auch immer noch so gebaut werden wie damals. Ich erinnerte mich an das Fernweh, das ich bereits als Kind in der Schule hatte, wenn von Batavia gesprochen wurde.
Und dann stand ich wirklich 55 Jahre später an diesem Ort und er gehörte mir einen Moment allein. Auf dem kilometerlangen Kai war niemand ausser mir und meinem Reiseführer. Sicher mehr als 100 bunte, riesige, verwitterte Holzschiffe ankerten in dem alten Hafen. Sie hatten zum Teil Aufbauten von der Grösse eines Hauses mit geschnitzten und verzierten Fenstern im arabischen Stil. Allein dieser Moment war der Abstecher nach Jakarta wert. Ich kann nur empfehlen, auf nach Jakarta, aber wenn möglich nur an Idul Fitri.

Sampai jumpa lagi Ulla
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September 28, 2008

Ubud Literaturfestival 2008

Wer erinnert sich noch an Ulla Neumann und ihre lebhaften Berichte von der Ubud Literaturkonferenz 2007? Wir freuen uns, dass Sie auch in diesem Jahr wieder von dieser Veranstaltung berichten wird, die nicht nur Hapers Bazaar inzwischen für eines der weltweit spannendsten Treffen zwischen Lesern und Autoren hält.

Ulla wird nicht die einzige deutschsprechende Autorin bleiben, die sich aus und in Bali zu Wort meldet. Manche reisen sogar vom gerade eröffneten Berliner Literaturfestival nach Ubud - Ulla lässt es etwas ruhiger angehen und hat dennoch einige Probleme vor dem Abflug zu lösen.
ubudwriter2008

Das Jahr ging wie im Flug vorbei.
Endlich steht das Programm für das Writers-Festival 2008. Aber jetzt heißt es wieder; „wer die Wahl hat, hat die Qual!“ Bis zur Eröffnung sind es ja noch einige Tage und auf dem langen Flug von Zürich nach Jakarta werde ich genügend Zeit haben, das diesjährige umfangreiche Angebot an Events und Veranstaltungen zu sichten und mich zu entscheiden. Ja, die lange Flugzeit ist schon ein Problem. Warum nur ist Bali so weit weg?
ullaneumannIn meinem Koffer sind bis jetzt nur Bücher und sonstige wichtige Sachen und er wiegt ohne ein Kleidungsstück bereits 18 Kilo. Das heißt, ich muss noch mehr selektieren. Ich glaube ich nehme die Flasche Gin, die seit meinem Bali-Rückflug letztes Jahr, von einer Schrankecke in die andere geschoben wird, wieder aus dem Koffer und hoffe in Bali eine gleichwertige Desinfektion zu finden. Ich klopfe sicherheitshalber auf Holz. Bis jetzt habe ich bei all meinen großen Reisen noch nie Verdauungsprobleme gehabt und ich bin nicht gerade zimperlich, was das Essen anbetrifft. Also, bleibt nun der weitgereiste Gin im Koffer, oder kommt er wieder raus?
Auf meinem Hinflug mache ich Jakarta Zwischenstop. Bei meiner Reiseplanung habe ich das Ramadanende nicht bedacht und jetzt sind alle Leute, mit denen ich mich dort treffen wollte, verreist. Oder, die Indonesische Lyrikerin Dorothea Rosa Herliany, die ich gerne wiedergesehen hätte, ist genau zu diesem Zeitpunkt auf dem Weg nach Frankfurt zur Buchmesse. Ich habe dadurch gezwungenermaßen wirklich Zeit mich vom langen Flug zu erholen, bevor ich mich auf ein neues Abenteuer einlasse und in ein Flugzeug von Garuda-Airlines steige. (Die Fluglinie steht in Europa auf der schwarzen Liste.) Ich bitte die Javanischen Götter um einen guten Start in Jakarta und die Balinesischen Götter für eine gute Landung in Denpasar. Und dazwischen schadet die Unterstützung von beiden Seiten nichts.
Also bis demnächst.
Sampai jumpa lagi!
Ulla
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Juli 29, 2008

Bali lebt auf

0807touristarrivalsall1half.jpg
'Es ist nicht nötig in Bali im voraus zu reservieren’, so zitiert Andrea aus Wien ihre Freundin in einem Gespräch mit anderen Gästen der Ladybamboo Villa in Ubud. ‘Als diese vor zwei Jahren hier war hat sie überall etwas gefunden und meist günstiger als per Reisebüro oder auf dem Internet’. Der Einspruch des Manager, dass dies vor zwei Jahren war bleibt unerhört. Vielleicht überzeugen da ein paar Zahlen. Sie zeigen, dass in dem ersten Halbjahr 2008 fast 25% mehr Ankünfte von Ausländern auf Balis einzigem Internationalen Flughafen Ngurah Rai zu verzeichnen waren als im Vorjahr - und sogar knapp über 67% mehr im Vergleich zu der Zeit als die Freundin von Andrea Bali besuchte. Times they are changin' in Balis Tourismusindustrie. Und auch die Ankünfte aus Europa machen da kaum eine Ausnahme...
Schon so mancher Möchte-Gern-Bali-Tourist hatte in diesem Sommer schon die Erfahrung am eigen Leibe machen müssen: Kein Ticket nach Bali erhältlich. Grund ist die stark gestiegene Ticket Nachfrage nach Bali.

Während im letzten Juni nur zwischen fünf- und sechstausend ausländische Urlauber pro Tag hier ankamen waren es im gleichen Zeitraum in diesem Jahr nach Aussagen von Dewa Puti Kramas von der Flughafenbetreibergesellschaft Angkasa Pura schon fast 7500 Neuankömmlinge. Auch die Ankünfte aus Deutschland haben stark zugenommen. Waren im Jahr 2003 nach der ersten Bali Bombe nur noch rund elf Tausend Deutsche im ersten Halbjahr hier angekommen so kamen in diesem Jahr schon fast wieder so viele Deutsche hier an wie vor den tragischen Ereignissen in Kuta im Oktober 2002. Einsam an der Spitze was die Zunahme an Touristen hier angeht sind allerdings die Russen, fast 91% mehr als im letzten Jahr haben in der ersten Hälfte 2008 unsere kleine Insel besucht. Wer an mehr Zahlen interessiert ist mag sich diese Tabelle in der Vergrösserung anschauen.:
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April 27, 2008

Batikkurs: Lebensfaden in Ubud

In der Jl. Kajeng in Ubud findet sich der 'Lebensfaden', ein kleines privat finanziertes Textilmuseum. Dort gibt es nicht nur eine sehr schöne, fast repräsentativ zu nennende Ausstellung von indonesischen Textilien. Vor allem die dort ausgestellten und sorgfältig beschriebenen Ikat Webereien sollte keiner bei einem Ubud Besuch verpassen sich anzuschauen.

Petra Kilian ist Kostümbildnerin von Beruf und natürlich auch deshalb sehr an Textilien interessiert. Sie beschreibt hier ihre Erfahrungen bei einem der von dort organisierten Batikkurse:



Ich habe bei meinem ersten Aufenthalt in der Ladybamboo Villa erfahren, daß ganz in der Nachbarschaft auch Batikkurse angeboten werden. Doch es gilt diesen rechtzeitig anzumelden, es bedarf zumindest zweier Tage Vorbereitung um die Farbe anzusetzen, in unserem Fall das bekannte 'Jeansblau' Indigo. Ein guter Grund nach unserem Strandurlaub nochmals nach Ubud zurückzukehren - und natürlich die Kursteilnahme diesmal rechtzeitig zu buchen.

Ein Workshop von "Lebensfaden": "Threads for Life" hat es sich zur Aufgabe gemacht, alte Kenntnisse der Färber, Weber und Batiker in ganz Indonesien zu sammeln, zu archivieren, den Wert des Handwerks zu bewahren und die Kunsthandwerker mit einander zu vernetzen. Unser Kursleiter Pung reist regelmässig durch Indonesien und sammelt die Rezepte, die traditionell nur innerhalb der Familie weiter gegeben werden.

Unser Kursverlauf

Es galt früh aufzustehen, denn Ibu Weti holte uns schon um 9 Uhr ab - oder vielleicht besser gesagt sollte uns abholen, da ein tropischer Schauer für etwas Verspätung sorgte - doch dann lachte die Sonne bei unserem zehnminütigen Spaziergang zu einer der umliegenden Strassen. Der Kurs wird in einer offenen Bambushütte, einem traditionellen Webstudio nachempfunden, durchgeführt.

Zuerst gab es sehr genaue Erklärung welche Farben aus welchen Pflanzen entstehen und welche Naturprodukte das Färben und Fixieren möglich machen. Dann durften wir uns ein eigenes Motiv wählen und dies auf Stoff vorzeichnen. Für die erste Färbungsphase benutzten wir den traditionellen "canting" (Hilfsmittel für Handzeichnungen) und später dann Motivstempeln um das Wachs auf unser Tuch aufzutragen. Danach wird der Stoff dann im Indigo-Bottich gefärbt.

Der getrocknete Stoff wird an den Stellen erneut mit Wachs behandelt, an denen der erste helle Blauton erhalten bleiben soll. Danach geht er wieder ins Färbebad und wird getrocknet.

Während der Stoff trocknet, wird man durch den Garten geführt. Dieser enthält eine Vielzahl von Pflanzen, die zum Färben, für medizinische Zwecke und Zeremonien benötigt werden. Besonders beeindruckend war die anschauliche Demonstration, wie der Farbstoff Indigo entsteht, vom gepflückten Blatt bis zur fertigen Paste.

Die Batikarbeit wird mit Naturprodukten farbintensiviert, fixiert, wieder getrocknet und am Schluß wird das Wachs ausgekocht, das Tuch dann fertig zum Mitnehmen als Souvenir.

Ein gelungener Tag, nicht zuletzt auch wegen des leckeren Mittagessens, traditionell und umweltfreundlich in Bananenblätter verpackt. Wer neben seinem eigen angefertigtem Batiktuch noch hochwertige, einzigartige Ikats, andere Webarbeiten und Batiken erwerben möchte, kann dies in der Galerie der Lebensfädler tun - aber das ist ein anderes Thema.
Petra aus Hamburg

Der Batikkurs kostet 39 Euro pro Person, Mindestteilnehmerzahl 2 Personen, mindestens 1 Woche vorher anmelden. Kursbeginn: 9 Uhr, Kursende: 16 Uhr. Am einfachsten kann er über die Ladybamboo gebucht werden, am Besten zusammen mit der Zimmereservierung zum Spezialpreis! Es ist auch möglich sich direkt anThreats of Life zu wenden. (nur in englisch)
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April 23, 2008

Eine Liebeserklärung an Ubud und Bali

Susi Frank
Susi Frank ist Gymnasiallehrerin und nutzt dieses Jahr als Sebatical, den Ausstieg auf Zeit. Gerade in diesen letzten Tagen des April ist sie von der zweiten dreimonatigen Reise zurückgekehrt. Von diesen Reisen hat sie anschaulich in vielen Artikeln berichtet - auch Ubud und Bali bekamen dabei ihr Fett ab. Und Susi legt gleich richtig los, man merkt es fällt ihr schwer Abschied zu nehmen:

Wenn es nicht so ein schreckliches Klischee wäre, hätte ich diesen Beitrag "Im Paradies" genannt. Auch bei meinem nun schon 4. Aufenthalt auf der "Insel der Götter", dem "Morgen der Welt", dem "Paradies auf Erden habe ich jeden Tag das Gefühl, mich hier in Ubud, im Herzen Balis tatsächlich auf dem schönsten Fleckchen Erde zu befinden, das ich auf der Welt kenne.

Das Wort "einzigartig" muss für dieses indonesische Inselchen erfunden worden sein. Bali ist mit keinem anderen Ort auch nur annähernd zu vergleichen. Seine Kultur und Religion (eine ganz eigene Mischung aus Hinduismus, Buddhismus und Animismus) unterscheiden sich drastisch vom überwiegend muslimischen Rest Indonesiens und zeigen eine Widerstandsfähigkeit gegenüber äußeren Einflüssen, die mich immer wieder verblüfft. Balinesen sind in gleichem Masse Meister des Tourismus und hartnäckige Bewahrer ihrer Kultur und ihres Glaubens.

Susi Frank

Kein Haus, kein Hotel, kein Spa, kein Internet-Cafe, das nicht mehrmals täglich mit Opfergaben geschmückt wird, ohne jede Ausnahme. Balinesinnen sollen 1/3 ihres Lebens mit der Fertigung dieser kleinen Kunstwerke verbringen. Kein Tag ohne aufwändige Prozessionen prächtig herausgeputzter, grazil einherschreitender Männer und Frauen mit turmhohen Opfergaben auf ihren Köpfen. Kein Abend in Ubud ohne traditionelle Tänze, Schattenspiele und Gamelan-Musik.
Wenn Bali sein Neujahr, Nyepi, feiert und jedermann sich zuhause verkriecht, um die ebenso bösen wie unterbelichteten Geister glauben zu machen, ihr Eiland sei unbewohnt, dann darf auch kein Tourist seinen Fuß vor die Tür setzten und der internationale Flughafen bleibt für 24 Stunden geschlossen (übrigens der einzige weltweit, der dieses Privileg genießt). Schon allein dafür liebe ich diese Insel.
Bei aller Religiosität sind die Balinesen humorvolle, ausgeglichene, charmante Zeitgenossen, denen ich nicht mal dann böse sein kann, wenn sie mich mit ihren Kamikaze-Mopeds fast über den Haufen fahren, um mir dann ihr schönstes entschuldigendes Strahlen zu schenken.
Außerdem haben sie sich einen fantastischen Trick für all die naiven Touristen ausgedacht, die Bali einfach nur für eine nette, billige tropische Bade-oder Surfinsel halten. Diese werden in ein Hotelghetto auf einer vertrockneten, abgelegenen Halbinsel im Süden mit mittelmäßigen Stränden gepfercht, wo sie einen 0815-Urlaub verbringen, viel Geld da lassen und sich wundern, was das ganze Gerede vom Paradies soll, weil ihnen die einstündige Fahrt nach Ubud zu weit ist.
Muss ich noch erwähnen, dass Balis Landschaften (außerhalb dieses vergleichsweise kleinen Ghettos) so schön wie seine Menschen sind? Über den weltberühmten, an Ästhetik nicht zu übertreffenden Reisterrassen thronen gewaltige, teils aktive Vulkane, deren Hänge von tiefen Schluchten durchfurcht sind und über die abenteuerliche Pass-Sträßchen führen. Im Süden begrenzen dramatische Steilklippen Balis Küste, der Westen der Insel ist von undurchdringlichem Dschungel bedeckt.
In meinen 5 Wochen hier habe ich mir vorgenommen, Bali in mich aufzusaugen wie ein Schwamm. Jeden zweiten Tag schwinge ich mich auf mein Moped und versuche jeden Winkel meiner geliebten Insel zu erforschen. Die andern Tage gehe ich zum Yoga-Unterricht und nehme Indonesisch-Stunden bei der entzückenden Nyoman. Die Sprache ist herrlich einfach und absolut niedlich. Oft gehe ich jala-jalan (spazieren) zum toko buku (Buchladen), aber immer hati-hati (vorsichtig) wegen der vielen Schlaglöcher oder esse mit meiner neun Freundin Courtney aus San Francisco( Zufall oder kein Zufall?) im rumah makan (Restaurant) bebek enak (leckere Ente, balinesische Spezialität).
Jeder Tag ist ein Fest, und Ubud ist ein riesiges Festmahl, bei dem man nie weiß, wo man vor lauter Köstlichkeiten zuerst zuschlagen soll.
Entschuldigt, dass dieser Beitrag wie eine Werbebroschüre des indonesischen Fremdenverkehrsamts klingt. Diejenigen von euch, die Bali kennen, werden mich verstehen. Den anderen werde ich mit meinen Schwärmereien solange auf die Nerven fallen, bis sie entweder selbst losfahren oder die Ohren zuklappen.
In diesem Sinne: Hati-Hati, passt auf euch auf und lasst von euch hören.
Kein Haus, kein Hotel, kein Spa, kein Internet-Cafe, das nicht mehrmals täglich mit Opfergaben geschmückt wird, ohne jede Ausnahme. Balinesinnen sollen 1/3 ihres Lebens mit der Fertigung dieser kleinen Kunstwerke verbringen. Kein Tag ohne aufwändige Prozessionen prächtig herausgeputzter, grazil einherschreitender Männer und Frauen mit turmhohen Opfergaben auf ihren Köpfen. Kein Abend in Ubud ohne traditionelle Tänze, Schattenspiele und Gamelan-Musik.
Wenn Bali sein Neujahr, Nyepi, feiert und jedermann sich zuhause verkriecht, um die ebenso bösen wie unterbelichteten Geister glauben zu machen, ihr Eiland sei unbewohnt, dann darf auch kein Tourist seinen Fuß vor die Tür setzten und der internationale Flughafen bleibt für 24 Stunden geschlossen (übrigens der einzige weltweit, der dieses Privileg genießt). Schon allein dafür liebe ich diese Insel.
Bei aller Religiosität sind die Balinesen humorvolle, ausgeglichene, charmante Zeitgenossen, denen ich nicht mal dann böse sein kann, wenn sie mich mit ihren Kamikaze-Mopeds fast über den Haufen fahren, um mir dann ihr schönstes entschuldigendes Strahlen zu schenken.
Außerdem haben sie sich einen fantastischen Trick für all die naiven Touristen ausgedacht, die Bali einfach nur für eine nette, billige tropische Bade-oder Surfinsel halten. Diese werden in ein Hotelghetto auf einer vertrockneten, abgelegenen Halbinsel im Süden mit mittelmäßigen Stränden gepfercht, wo sie einen 0815-Urlaub verbringen, viel Geld da lassen und sich wundern, was das ganze Gerede vom Paradies soll, weil ihnen die einstündige Fahrt nach Ubud zu weit ist.
Muss ich noch erwähnen, dass Balis Landschaften (außerhalb dieses vergleichsweise kleinen Ghettos) so schön wie seine Menschen sind? Über den weltberühmten, an Ästhetik nicht zu übertreffenden Reisterrassen thronen gewaltige, teils aktive Vulkane, deren Hänge von tiefen Schluchten durchfurcht sind und über die abenteuerliche Pass-Sträßchen führen. Im Süden begrenzen dramatische Steilklippen Balis Küste, der Westen der Insel ist von undurchdringlichem Dschungel bedeckt.
In meinen 5 Wochen hier habe ich mir vorgenommen, Bali in mich aufzusaugen wie ein Schwamm. Jeden zweiten Tag schwinge ich mich auf mein Moped und versuche jeden Winkel meiner geliebten Insel zu erforschen. Die andern Tage gehe ich zum Yoga-Unterricht und nehme Indonesisch-Stunden bei der entzückenden Nyoman. Die Sprache ist herrlich einfach und absolut niedlich. Oft gehe ich jala-jalan (spazieren) zum toko buku (Buchladen), aber immer hati-hati (vorsichtig) wegen der vielen Schlaglöcher oder esse mit meiner neun Freundin Courtney aus San Francisco( Zufall oder kein Zufall?) im rumah makan (Restaurant) bebek enak (leckere Ente, balinesische Spezialität).
Jeder Tag ist ein Fest, und Ubud ist ein riesiges Festmahl, bei dem man nie weiß, wo man vor lauter Köstlichkeiten zuerst zuschlagen soll.
Entschuldigt, dass dieser Beitrag wie eine Werbebroschüre des indonesischen Fremdenverkehrsamts klingt. Diejenigen von euch, die Bali kennen, werden mich verstehen. Den anderen werde ich mit meinen Schwärmereien solange auf die Nerven fallen, bis sie entweder selbst losfahren oder die Ohren zuklappen.
In diesem Sinne: Hati-Hati, passt auf euch auf und lasst von euch hören.

Susi Frank


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März 29, 2008

Ein entfernter Verwandter

"Topeng Masken"Vor vierzig Jahren wanderte Josef Rosarius von Köln nach Indonesien aus. Stefanie Flamm hat ihren Onkel nie gesehen. Jetzt ist sie nach Bali gereist, um ihn kennenzulernen. Wir kennen Jo schon lange, sein Segara Photo Center in Sanur war für viele Jahre das Einzige, das internationalen Ansprüchen genügte, und seit Jahren ist uns Jo auch aus der Arbeit in sozialen Projekten bekannt. Sein Einsatz für die sozialen Schwachen in Bali ist beispielhaft, die zur Illustration dieses Artikels verwendeten Fotos von Jo Rosarius zeigen Bilder von Künstlerinnen der Seniwati Gallerie und sind als Teil seines sozialen Engagements diesem Frauenprojekt gewidmet.

Als wir uns zum ersten Mal sehen, regnet es so heftig, wie es nur in den Tropen regnen kann. Palmen und Frangipanibäume biegen sich unter den Wassermassen. Der Pool, der sich vom Restaurant bis fast an den Strand erstreckt, tritt langsam über den Rand. Josef Rosarius, kleinkariertes Hemd, Anzugshose und Socken in den senffarbenen Slippern, schaut abwechselnd auf sein Smartphone und die Australier, die sich in Badesachen vom Pool ins Restaurant geflüchtet haben. Er sieht älter aus, als ich gedacht hatte, aber auch viel seriöser.

Das Haar und der auf den alten Fotos so verwegen wirkende Kinnbart sind grau und ein bisschen schütter geworden, über seinem Gürtel wölbt sich ein Bäuchlein. Er bestellt sich ein Bier und fragt, ob ich auch eins will. Als ich um einen Saft bitte, schaut er mich an, als wolle er sagen: Das kann ja heiter werden. Und so etwas Ähnliches denke ich auch.

"Women of Two Continents"Josef Rosarius ist mein sprichwörtlicher Onkel in Übersee. Der älteste Cousin meines Vaters, um genau zu sein. Bevor ich ihn letzten Herbst fragte, ob er nicht Lust habe, in einer Geschichte über Aussteiger vorzukommen, wusste er überhaupt nicht, dass es mich gibt. Er schrieb eine verdutzte Mail, in der er mir zu verstehen gab, dass er sich keineswegs als Aussteiger sehe. Er habe Ende der sechziger Jahre, da war er schon ein paar Jahre Kameramann beim Fernsehen, im Rahmen eines Entwicklungshilfeprojektes in der indonesischen Hauptstadt Jakarta ein Fernsehtrainingszentrum aufgebaut. Anschließend hätten sich im Lande »verschiedene Möglichkeiten« ergeben.

Gegen ein Treffen auf Bali, wo er seit Anfang der achtziger Jahre lebt und heute als freier Fotograf arbeitet, hatte er trotzdem nichts einzuwenden. Seit dem Tod seiner Mutter vor 20 Jahren sei aus der Familie ja »kein Aas« mehr bei ihm gewesen. Tante Billa, meine Großmutter, habe sich schon immer zu alt gefühlt für weite Reisen. Hans-Peter, der Bruder, leide unter Flugangst. Die Cousine, meine Tante, fahre lieber nach Italien. »Und deine Eltern sind vor ein paar Jahren auf dem Weg nach Australien einfach über mich hinweggeflogen.« Als meine Großmutter sie fragte, warum sie denn keinen Zwischenstopp bei Vetter Josef eingelegt hätten, sagten sie, dass das Klima dort unten nichts mehr für sie sei. Doch das Klima war wohl nur eine Ausrede.

Der ewige Sommer der Tropen, die weißen Strände, die phosphorgrünen Reisterrassen und das urwaldartige Hinterland, in dem das ganze Jahr über Bananen, Papayas und Kokosnüsse gedeihen, ziehen seit den dreißiger Jahren Weiße in die ehemalige holländische Kolonie.

Ich glaube, dass meine Eltern einfach Bedenken hatten, in das Leben des fremd gewordenen Verwandten hineinzuplatzen, dessen Geschichte die Fantasie unserer durch und durch bürgerlichen Familie nun schon seit 40 Jahren beflügelt. Und was wurde da nicht alles erzählt!

Mal hieß es, der Josef sei in der Fremde Millionär geworden, Eigentümer mehrerer Villen mit Strandblick, Gründer einer balinesischen Drogeriekette und Herr über Hunderte von Angestellten. Mal hieß es, er sei so bankrott, dass er sich nicht einmal mehr einen Flug nach Europa leisten könne. Außerdem, und das ist in den Augen einer katholischen Sippe ja wirklich heikel, soll er bei seiner letzten Hochzeit zum Islam konvertiert sein und seither sein Haupt fünfmal am Tag in Richtung Mekka neigen.

Doch so genau scheint er es mit den Regeln des Propheten nicht mehr zu nehmen. Sein erstes Bier ist nach einer Viertelstunde leer, und ich würde schon gerne fragen, wie sich sein Durst mit seiner Religion vereinbaren lässt. Doch ich traue mich beim ersten Treffen nicht einmal, ihn auf die Frau anzusprechen, für die er den Gott gewechselt hat. Ari soll sie heißen und angeblich im Palast von Yogyakarta, dem kulturellen Zentrum der Insel Java, aufgewachsen sein. Meine Großmutter behauptet allerdings, sie sei keine echte Prinzessin, sondern »nur« die Tochter einer Mätresse. Aber wer weiß? Und geht es mich wirklich etwas an?

Auswanderer werden von den Daheimgebliebenen gerne an ihrem ökonomischen Erfolg gemessen und an dem Status, den sie in der neuen Heimat erlangen. In den Auswandererserien, die im Moment auf den Privaten laufen, geht es ausschließlich um die Frage, ob die Leute in der Fremde schaffen, was ihnen daheim nicht gelang. Doch vielleicht sind es ganz andere Gründe, aus denen einer wie Josef raus wollte aus Deutschland: Abenteuerlust, Pech in der Liebe oder das diffuse Gefühl, dass es überall besser ist als dort, wo man herkommt.

Ohne den Lärm der Frösche hörte man wohl das Meer

Abenteuerlust? Josef schaut wieder auf sein Smartphone. »Ich bin Kriegsgeneration.« Ein Satz, der in diese balinesische Hotelbar passt wie ein Heiratsantrag ins Bordell. Ich schaue auf die Japaner am Nachbartisch, die nun mitsamt ihren Suppen an den Pool wechseln. Die Australier stehen, seit es nicht mehr regnet, mit ihren Cocktails im Wasser. Josef nimmt einen großen Schluck von seinem zweiten Bier. »Deine Generation ist vielleicht abenteuerlustig, wir wollten was machen«, sagt er dann. Das klingt anders, als was bewegen wollen. Die 68er wollten »was bewegen«. Aber Josef war wohl nie ein Linker. Er hat auch nie davon geträumt, die Welt zu verbessern.

»Mein Traum war es immer, Fotograf zu werden.« Nur sein Vater fand das keine gute Idee und steckte seinen ältesten Sohn bei Bekannten in eine Lehre als Kesselschmied. Später wurde Josef dann doch Fotograf, machte eine Zusatzausbildung in Kameratechnik und bekam Anfang der sechziger Jahre gleich eine Anstellung als Kameramann, zuerst beim NDR in Hamburg, dann beim WDR in Köln. »Der Josef hat am Ende immer bekommen, was er wollte«, erinnert sich mein Vater. Und so flott, wie Josef an diesem Nachmittag seine Geschichte erzählt, habe ich auch nicht den Eindruck, dass es Deutschland ihm besonders schwer gemacht hätte. Genau das war wohl sein Problem.

Er streichelt sich den grauen Kinnbart, als überlege er, wie er es nach all der Zeit ausdrücken soll. »Ich glaube, ich passte da irgendwie nicht ins Schema.« Das kleine Wirtschaftswunderleben seiner Eltern – »Kirche, Frühschoppen, Sonntagsbraten« – sei ihm genauso irreal vorgekommen wie das Leben seiner Bohemefreunde in Hamburg und Köln. Die Wirklichkeit, dachte er, sei dort, wo die Dinge Spitz auf Knopf standen, dort, wo es knallte. Also ging er Mitte der sechziger Jahre als freier Kriegsberichterstatter in den Nahen Osten, nach Indochina und 1967 nach Biafra. Was er dort sah, muss schlimmer gewesen sein als alles, was er bis dahin erlebt hatte. »Danach war ich ziemlich von der Rolle, saufen, zocken, diese Sachen. Ich habe mir geschworen: nie mehr Schwarzafrika.« Doch in Deutschland wie die Kollegen aufs Wochenendhäuschen sparen, wollte er jetzt erst recht nicht mehr.

Es ist stockfinster, als wir gegen acht Uhr zum Abendessen in den nächsten Ort aufbrechen, und immer noch so schwül wie in einem Gewächshaus. Würden die Frösche im Straßengraben nicht so einen ohrenbetäubenden Lärm machen, könnte man vielleicht das Meer hören. Sehen kann man es auch bei Tageslicht schon lange nicht mehr. Die Küste zwischen Benoa Beach, wo mein Hotel liegt, und dem vornehmen Nusa Dua, wo Josef und die geheimnisvolle Frau aus dem Palast von Yogyakarta heute leben, reihen die Hotels sich wie ein Sperrgürtel aneinander. »Hinter unserem ersten Haus auf Bali begannen gleich die Reisfelder«, sagt Josef.

1982, nach 14 Jahren beim Fernsehen in Jakarta, hat er es gebaut. Es war die Zeit kurz vor dem großen Bali-Boom. Enorme Investitionen und die internationale Hautevolee machten aus dem Armenhaus Indonesiens langsam die reichste Insel des ganzen Archipels.

Heute muss man einen Checkpoint passieren, wenn man die Hotel- und Resortstadt Nusa Dua betreten will. Bewaffnete Polizisten suchen das Auto nach verstecktem Sprengstoff ab. Diese lästige Prozedur wurde eingeführt, nachdem islamische Terroristen im Oktober 2002 in der weiter nördlich gelegenen Surferhochburg Kuta zwei Diskotheken in die Luft jagten und über 200 Menschen starben.

"Legong Dancers"Auf Bali heißt es, der 12. Oktober sei so etwas wie ein 11. September gewesen. Von einem auf den anderen Tag, sagte Reinhold Jantzen, der deutsche Honorarkonsul, seien die Leichtigkeit und das Gefühl, dass es immer vorangehe, verschwunden. Erst seit zwei Jahren sind die Übernachtungszahlen wieder auf dem Stand von 2002. Und trotzdem sei nichts mehr wie früher, sagt Josef, während er einen Parkplatz sucht. Für ihn jedenfalls nicht.

Die Drogeriekette, von der zu Hause so viel die Rede war und die es, wie ich jetzt erfahre, tatsächlich gab, musste eine Filiale nach der anderen schließen. Zuerst, weil keine Touristen mehr nach Bali kamen, und dann, weil alle Touristen eine Digitalkamera dabeihatten und Josefs Hauptservice, Fotoentwicklung binnen zwei Stunden, nicht mehr gefragt war.

Auch in dem Einkaufszentrum, das er aus mir unerklärlichen Gründen fürs Abendessen ausgewählt hat, hatte er zwei Geschäfte. In dem einen gibt es jetzt regionales Kunsthandwerk zu überteuerten Preisen, in dem anderen Bilderrahmen und Poster. Nebenan: Gucci-Prada, Hilfiger und Restaurants, die eine Mischung aus Fast Food und Fusion anbieten. Aber nichts, wofür man 16 Stunden im Flugzeug sitzen müsste. Josef steuert zielsicher auf ein Lokal zu, das mit indonesischer und deutscher Küche für sich wirbt.

An den anderen Tischen sitzen dicke Männer mit Goldketten um den Hals und Frauen, deren Kleider auch ein paar Nummern größer noch immer knapp wären. Aus dem Lautsprecher plärrt ein kubanischer Gassenhauer. »Guantanamerahhh.« – »Russen«, sagt Josef. »Unsere neuen Stammkunden.« Er mag sie nicht besonders gern, aber lieber als die Chinesen, die Bali vor ein paar Jahren auch entdeckten. Beide hätten keine Manieren, die Russen aber wenigstens Geld. Er lässt sich auf einen Stuhl fallen und reicht mir die Speisekarte. »Ich esse hier immer die Nürnberger Rostbratwürstchen.«

»Du isst Schweinefleisch?«, traue ich mich endlich zu fragen. Er grinst mich an, als habe er auf diese Frage gewartet. »Ich habe der Ari schon vor 30 Jahren gesagt, dass ich ein schlechter Kathole war und aller Voraussicht nach auch ein schlechter Muselmane werde.« Der Glaubenswechsel war wohl vor allem ein symbolischer Akt, mit dem er ihr zeigen wollte, wie ernst es ihm war. Nur würde Josef, der wie viele Männer seines Alters über Gefühle am liebsten in Textbausteinen spricht, das so nie sagen. Auf der Karte, die meine Eltern Ende der siebziger Jahre nach seiner Hochzeit bekamen, hieß es lakonisch: »Das ist Ari, meine dritte und letzte Frau.«

Ich treffe sie ein paar Tage später in ihrem Haus auf den Hügeln über Nusa Dua. Es ist muslimisches Neujahr, ein Staatsfeiertag in Indonesien, was man auf Bali, der einzigen hinduistischen Insel des Landes, aber nicht merkt. Geschäfte und Restaurants sind geöffnet, die Balinesinnen tragen wie jeden Tag Körbe mit Opfergaben zum nächsten Tempel. Auch in Josefs und Aris Haus haben die Angestellten in der Früh Räucherstäbchen abgebrannt und auf dem Hausaltar Schälchen mit Obst und Reis dargebracht, um die bösen Geister zu besänftigen. Es riecht noch nach Weihrauch, als Ari die Tür öffnet.

Ein bisschen zu enthusiastisch lobe ich den Pool im Garten

"Cilli, Goddess of Riches and Fertility"Sie ist ganz in Weiß gekleidet. Ihr Haar verschwindet unter einem Herrenhut, ihr halbes Gesicht unter einer riesigen Sonnenbrille. Wenn sie sich bewegt, klimpert Schmuck an Ohren und Handgelenken. Schlecht scheint es denen aber immer noch nicht zu gehen, denke ich und schäme mich für diesen Daheimgebliebenengedanken gleich so sehr, dass ich den kleinen Swimmingpool im Garten viel zu enthusiastisch lobe. Die Terrassenwände sind mit antiken Ebenholzschnitzereien aus Aris javanischer Heimat verkleidet. Davor liegen dicke Perserteppiche. »Meine Gebetsecke«, sagt Ari stolz. Josef, der die ganze Zeit telefonierend auf und ab gerannt war, verdreht genervt die Augen. Heute scheint nicht sein Tag zu sein.

Am Morgen sollte er in Kuta ein Hotel fotografieren, das ihm überhaupt nicht gefiel, dann wurde wegen des Feiertags kurzfristig sein Rotary-Lunch abgesagt. Er hasst es, wenn er keine Pläne hat. Er sei eben ein Deutscher, sagt Ari. »Ihr müsst ja immer was zu tun haben.« Früher, als junge Frau, sei sie ja genauso gewesen. Da hatten sie noch die 17 Fotoshops und 120 Angestellte. Und weil Josef nebenher noch unbedingt Filme drehen und eigene Fotos machen wollte, musste sie sich ganz allein um die Verwaltung kümmern.

»Ari ist die einzige Indonesierin, die etwas von Buchführung versteht«, hatte Josef vor ein paar Tagen schon behauptet. Aber er hatte auch schon angedeutet, dass sie auf diese Begabung nicht mehr viel gibt. »Ich lebe heute mehr in geistigen Sphären«, sagt sie. Auch die Familie würde ihr im Alter immer wichtiger. Im Treppenaufgang ihres riesigen, dreistöckigen Hauses hängt ein Stammbaum, der sie tatsächlich als Nachfahrin des Palastes von Yogyakarta ausweist, ihre Mutter war eine Tänzerin. Das Bild daneben zeigt sie umringt von all ihren Kindern und Enkeln. Sie nimmt es von der Wand, damit ich es besser bewundern kann.

Die fünf Kinder hat Josef nach dem Tod des leiblichen Vaters adoptiert, weil das indonesische Recht ihm keine andere Wahl ließ. Für die zwölf Enkel fühlt er sich nicht auch noch verantwortlich. »Wenn die sich hier auf den Teppichen zusammenrotten, guck ich, dass ich weg bin«, sagt er und kramt ein Foto hervor, das ihn im Golfdress zeigt: den Schläger über die Schulter gelegt, in der Hand eine Kippe.

Josef und Ari gehören offenbar nicht zu den Paaren, die einander im Alter immer ähnlicher werden, eher zu denen, die ständig sagen: Das mache ich nur für dich. So ist es dann Ari, die vorschlägt, dass wir doch zum Golfclub was essen fahren. Kurz danach lässt Josef den Wagen an.

Auf der Straße verdunsten die Pfützen der letzten Nacht, auf der Gegenfahrbahn kommen uns Schwärme von Mopedfahrern entgegen. In den Hotels an der Küste scheint gerade eine Schicht zu Ende gegangen zu sein. Josef manövriert das Auto souverän durch den Verkehr, der so regellos ist, dass Fremdenverkehrsämter Touristen davon abraten, sich einen Mietwagen zu nehmen. Balinesen, so heißt es, brächten morgens eine Opfergabe dar und dächten dann, dass ihnen nichts mehr passiert. Josef hält das für Gerede. »Die sind einfach rücksichtslos wie Hölle. Und wenn sie dir hinten reingekracht sind, lächeln sie dir dreist ins Gesicht.« Ihn mache das irre.

Ihn scheint vieles irre zu machen, was Touristen auf der Insel begeistert. Das Hinterland, die alte Königsstadt Ubud mit ihren vielen Tempelanlagen findet er unerträglich schwül, der Urwald, der gleich hinter Ubud beginnt, ist ihm nicht Urwald genug, und auf den Reisterrassen stören ihn die Mücken. Hier unten im Süden der Insel gibt er kein Trinkgeld, weil er davon ausgeht, dass das Personal »dich eh bescheißt«. Nicht einmal im Golfclub darf die Kellnerin sein Bier einschenken.

Ari schiebt sich lächelnd die Sonnenbrille unter die Hutkrempe. Deutsche Männer und ihr Bier. Sie hat sich daran gewöhnt. Auch der Direktor des Golfplatzes, ein Neuseeländer mit schlohweißem Haar, der uns alle mit Handschlag begrüßt, klopft Josef anerkennend auf die Schulter. »Nicht nachlassen, Jo!«

Nur ich bin ein wenig perplex. Der Mann, von dem sie zu Hause denken, er sei völlig abgetaucht in eine fremde Kultur, möglicherweise sogar ein religiöser Fanatiker geworden, hat nach 40 Jahren offenbar noch immer Angst vor dem, was in Diplomatenkreisen »Verbuschung« heißt. Dabei ist die Gefahr schon lange nicht mehr gegeben. Die meisten seiner Bekannten, die ich die letzten Tage kennengelernt habe, Kanadier, Neuseeländer, Australier, Spanier – alles Hoteldirektoren, -manager oder Restaurantbesitzer, die sich abends in denselben Bars und Clubs treffen und am Wochenende miteinander Golf spielen.

Seitdem Josef wieder als freier Fotograf arbeitet, sind viele seiner Freunde gleichzeitig seine Auftraggeber. Auch der weißhaarige Golfplatzdirektor möchte nach dem Essen mit ihm über eine neue Corporate Identity des Clubs sprechen. Denn »schöne Orte noch schöner aussehen lassen«, das könne der Jo wirklich gut. Doch musste er deshalb nach Bali kommen?

Wieder eine blöde Daheimgeblie- benenfrage, zugegeben. Denn auch in Deutschland machen die wenigsten Menschen mit 70 das, wovon sie mit 30 geträumt haben. Und es gibt wahrscheinlich viele deutsche Rentner, die Josef um sein elegantes, immer noch ziemlich aktives Oberschichtleben beneiden. Josef weiß das. Er weiß auch, dass er sich dieses Leben in Deutschland nicht leisten könnte.

Er legt großen Wert darauf, dass wir vor meiner Abreise noch das Krankenhaus in der Inselhauptstadt Denpasar besuchen. Denn in den weiß getünchten, völlig überfüllten Krankenzimmern, die größtenteils noch aus holländischer Zeit stammen, ist er noch immer der Entwicklungshelfer, der er einmal war. Sein Rotary Club hat nach den Anschlägen 2002 mit privaten Spendengeldern eine Blutbank aufgebaut, außerdem werden hier Kinder mit Hasenscharten auf Rotarier-Kosten operiert. Josef kennt die meisten mit Namen. Die Mütter verneigen sich vor ihm.

»Irgendetwas muss man ja zurückgeben«, sagt er auf dem Rückweg. Da ist es schon kurz nach fünf am Nachmittag, und Josef wirkt für seine Verhältnisse fast sentimental. Er spricht nun zum ersten Mal von sich aus über Deutschland, über seine Großeltern, meine Urgroßeltern, die er offenbar sehr geliebt hat, über seine Mutter, die er immer noch Mama nennt, und auch über seine beiden ersten Frauen.

»Weißt du, was das Einzige ist, das ich hier all die Jahre wirklich vermisst habe?«, fragt er, als wir uns der dämmrigen Bucht von Nusa Dua nähern. »Weihnachten.« Ausgerechnet, denke ich. Dann stelle ich mir vor, dass es vielleicht schön wäre, wenn er uns an Weihnachten besuchen würde, jetzt, da er kein ganz so fremder Onkel mehr ist. Hätte er Lust? »Ne, bei euch liegt am Heiligen Abend doch auch kein Schnee mehr«, sagt er und tritt aufs Gas.

Quelle: Die Zeit

INFORMATION

Anreise: Malaysia Airlines, Qatar Airways, Singapore Airlines, Thai International und Qantas fliegen mehrmals wöchentlich von Frankfurt am Main nach Denpasar. Mehr Fluginfo

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Kontakt: Jo Rosarius
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